Designwissenschaft

Design & Wissenschaft

Die Designwissenschaften streben danach, mit definierten Begriffen, methodischen Vorgehensweisen und empirischen Untersuchungen, das Verständnis über Design zu erweitern sowie Vorhersagen und eine spätere Reflexion zu ermöglichen.

Die folgenden Ausführungen orientieren sich an einer Erläuterung zur Abgrenzung von Alltagspsychologie und wissenschaftlicher Psychologie. Aus meiner Sicht lassen sich die Argumente durch Adaption für die Domäne Design einsetzen aber entscheiden Sie selbst. [1]

Ich habe diese Seite mit den folgenden Informationen im Februar 2013 veröffentlicht - aus der heutigen Perspektive handelt es sich bei diesen Informationen doch eher um eine Thema-Verfehlung und so werde ich diese Informationen bis Ende 2015/Anfang 2016 stark überarbeiten. Wenn Sie jetzt schon Interesse am Austausch haben, schreiben Sie bitte an: Michael Bergeler.

Design - "einfache" Aufgaben

Stellen Sie sich ein mittelständisches Unternehmen vor, z.B. eine Rechtskanzlei mit 30 Mitarbeitern, welche durch den Inhaber geführt wird. [2]

Der Inhaber hat im letzten Jahr eine Stagnation seiner Umsätze festgestellt und strebt wieder Wachstum an - wie die meisten Unternehmer. Werbung kann aber bei Juristen nur im begrenztem Maße ausgeführt werden, weil es hierbei gesetzliche Einschränkungen gibt. So scheidet beispielsweise Zeitungswerbung aus, dafür darf aber eine großformatige Anzeige in Form einer Stellenanzeige dargestellt werden. Außerdem kann das Internet im Rahmen der erlaubten Möglichkeiten genutzt werden.

Zu den Gründen befragt, warum das Unternehmen stagniert, wird die spezielle Zielgruppe genannt, welche vorrangig aus kleinen Unternehmern besteht, die in einer bestimmten Branche tätig sind und diese schwächelt.

Was kann also gemacht werden um die Stagnation zu überwinden?

Nachdem das Internet eine gesetzlich korrekte Möglichkeit darstellt, wird eben ein Relaunch der Internetseite gemacht - Internetagenturen gibt es viele und einige sehr günstige und vielleicht wird dann auch gleich das Briefpapier und die Visitenkarten überarbeiten? Der Unternehmer hat bereits mit einem Entwurf begonnen und das sieht schon gut aus.

Zudem hat er auch Kompetenzen in diesem Bereich, weil er seit Jahren sich für Kunst begeistert und regelmäßig zu Auktionen geht und inzwischen eine ansehnliche Sammlung "schöner" Dinge besitzt.

Abgrenzung zum Alltagsdesigner

Im Vergleich zu anderen Wissenschaften und Berufen ist es im Design wahrscheinlicher, dass man Laien-Ratschläge erhält. So würde ein durchschnittlicher Mensch einem Physiker eher keine Empfehlung zur Frage geben, ob er in einem Gerät besser einen roten statt einem grünen Laser einsetzen soll, weil dieses Thema im Alltag keine Rolle spielt.

Tatsächlich können auch unausgebildete Personen eine Meinung über Design äußern und diese ist teilweise gar nicht unpassend. Schließlich kann man über Geschmack trefflich streiten aber bei der wissenschaftlichen Herangehensweise geht es nur in einem Teilbereich um ästhetische Aspekte und Forschung sowie Lehre im Design bearbeiten auch diesen Punkt methodisch und in einer nachvollziehbaren Weise, was dem durchschnittlichen Laien nicht möglich ist.

Zudem ist die menschliche Informationsaufnahme durch viele Faktoren beeinflusst und die Wahrnehmung wird zudem verzerrt und durch Einstellungen beeinflusst. Je geringer die Kenntnisse um diese empirisch untersuchten Aspekte sind, um so banaler werden selbst Aussagen über Ästhetik.

Nehmen wir zum Beispiel ein aktuelles Apfel-Produkt und die Frage, warum 2012 an drei Tagen in China mehr als zwei Millionen Exemplare verkauft wurden?

Wenn diese Frage auch leicht vom Nicht-Designer beantwortet werden kann und er sich zudem mit Photoshop auskennt, warum sollte man dann einen professionellen Designer engagieren oder nicht sogar auf ein Baukastensystem zurückgreifen?

Weil

  • Aussagen von Laien zu Design deutlich stärker mit Fehlern behaftet sind, die Auswirkungen auf die Effizienz von Maßnahmen haben.
  • Design von Profis i.d.R. methodisch praktiziert wird und dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöht wird, dass Maßnahmen wirksam werden.
  • Maßnahmen kontrolliert eingesetzt werden und durch Evaluation der Wirkungsgrad bestimmt werden kann.
  • Maßnahmen kalkulierbar werden und das Verständnis für die Zielgruppe nachhaltig auch beim Unternehmer erhöht wird - sofern richtig kommuniziert wird.
  • schließlich ein Umsatz von über 1 Mrd. $ in drei Tagen ohne gut durchdachtes Handeln nahezu unmöglich ist.

Fehler AlltagsDesign

Die Verwendung von Aussagen im Alltag beim Thema "Design" sind meist ungenau und wenig zielgerichtet.

"Ich finde, dass Lila viel besser zu meinem Unternehmen passt als Grün."

In fast jeder Design-Domäne spielen Farben eine große Rolle. Dass Menschen auf Farben unterschiedlich reagieren und die Bedeutungen insbesondere in anderen Kulturen unterschiedlich ausfallen, erlernt ein Designer bereits in den ersten Semestern. Es gibt zum Thema Farben viele Bücher und ebenso Experimente, die nachvollziehbar und wiederholbar sind.

Ob eine Farbe zu einem Unternehmen passt, sollte nicht der Chef entscheiden, sondern über den Designer der Kundenkreis. Empathie und methodisches Vorgehen ist gefragt oder zumindest Rückschlüsse auf Erfahrungswerte - dadurch sind Vorhersagen deutlich besser möglich.

Exakte Zahlen für Designarbeit

Für die Entscheidung und Planung, um durch Design einen situativen Stand zu verändern, werden möglichst exakte Zahlen benötigt. Wenn beispielsweise eine Internetseite oder ein Produktdesign überarbeitet wird, muss am Anfang der Wirkungsgrad festgestellt werden und auf Basis dieser Daten die Maßnahmen beschlossen werden. So wird beispielweise bei Nivea seit 2012 ein großer Relaunch der Verpackungen unternommen und man kann sicher sein, dass die Entscheidungen durch eine Vielzahl von Statistiken begleitet werden - bei diesem Projekt entscheiden Designer. Der Designer ist dabei meist nicht mit der Zusammenstellung der Zahlen betraut aber er muss die Daten verstehen können und diese müssen in den Prozessen berücksichtigt werden.

"Ich hab so das Gefühl, dass die Kunden mich bzw. meine Produkte nicht wollen" & "rund ist halt besser" ist weder wirtschaftlich noch wissenschaftlich.

Insbesondere bei der Meinungsbildung spielen persönliche Eindrücke eine zu große Rolle, anstatt den aktuellen Stand über recherchierte Fakten sowie Planungen über Wahrscheinlichkeitsrechnung darzustellen. Stattdessen werden häufig auch unwichtige Fakten geprüft und zuviel Gewicht bei der Entscheidung zugesprochen - das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden.

Vorgehensweise Design als Wissenschaft

Die Konzentration liegt bei professionellem und ebenso im wissenschaftlichen Design im methodischen Vorgehen und dabei werden relevante Faktoren der Wirklichkeit in passendem Maße gewürdigt.

Es geht also speziell in der Designwissenschaft um empirische Methoden, systematische Überprüfung und Weiterentwicklung von Theorien durch geplante und wiederholbare Erhebung und Analyse sowie klare Interpretation von Erfahrungsdaten - entscheidend ist also das "Wie": Designtheorie.

Natürlich heißt das nicht, dass Designwissenschaft immer fehlerfrei ist und sich mit der Zeit nicht ändert aber es ermöglicht eine strukturierte Vorgehensweise durch Variation und Wiederholung von Untersuchungen. Für Unternehmen bedeutet dieses Vorgehen, dass Fehler schneller erkannt und Prozesse optimiert werden können.

Design - Wissenschaft & Praxis

Wie oben beschrieben stelle ich wissenschaftliche Ansprüche immer wieder in den wirtschaftlichen Kontext. Für mich sind die Bereiche zumindest in den praxisorientierten Anwendungsgebieten stark korreliert. 

 

 

[1] Quelle: Karl-Heinz Renner, Timo Heydasch, Gerhard Ströhlein. Forschungsmethoden der Psychologie, 2012, Springer VS, Seiten 8 - 20.

[2] Hinweis: Der Kunde ist frei erfunden.